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Kolumne

Und läuft und läuft und läuft


Demnächst habe ich Geburtstag.

Und natürlich fragt meine Frau, was ich mir denn wünsche.

Der rechte Augenblick sich etwas zu erlauben, was Mann sonst nicht kaufen würde, denn die werte Gattin kann ja nun kaum etwas dagegen haben.

Und derzeit gibt es schon einige Dinge, die ich gut gebrauchen könnte. So einen luxuriösen MP3-Player vielleicht, mein alter hat nicht mal ein Display, oder für die Digitalkamera ein 40GB-Speicherkarten-Lesegerät.

Natürlich sollte es etwas sein, was entweder etwas Neues darstellt oder ein altes Gerät ersetzt.

Und das Wichtigste: Es sollte sinnvoll sein.

In Zeiten knapper Kassen, überlegt man es sich dreimal, bevor man sich etwas kauft, daß man eigentlich nicht braucht.

Selbstverständlich braucht man einen MP3-Player. Aber halt nur einen. So muß und will ich vor meinem eigenen Gewissen (und meiner Frau) mich rechtfertigen können. Auch wenn die Frage vielleicht nie gestellt wird: Ist es sinnvoll?

Und genau da kommen meine Zweifel her. Ist der iPod auch noch so schön, joggen gehe ich lieber ohne Knopf im Ohr, da höre ich lieber die Geräusche im Wald und ab und an einen Vogel im Hintergrund. Und im Auto, in der Wohnung auf der Arbeit – da brauche ich keinen MP3-Player. Zug fahren tue ich zu selten, und fliegen vermeide ich , wenn es nur geht. Bleibt eigentlich nur der Urlaub. Und dann nur, wenn ich auf der faulen Haut liege, also am Strand und im Schwimmbad. Da reicht dann aber der alte Player immer noch.

Aber dann vielleicht diese schnuckeligen Speicherkartenleser mit 40 Gig und der Möglichkeit MP3s zu hören. Wäre doch auch etwas. 40 Gigabyte für Bilder. Nie mehr Angst haben zu müssen, daß die Speicherkarten voll werden. Toller Gedanke.

Im Urlaub knipsen soviel ich will – aber da habe ich eh das Notebook dabei. Oder auf einer Feier. Hunderte von Bildern, in bester Auflösung. Aber da reichten die 1,5 Gigabyte an CF-Karten bislang immer und im absoluten Notfall hatte ich noch 256 MB im Psion. Die wurden dann kurzerhand formatiert und mitgenutzt. Dank täglicher Datensicherung kein Risiko. Und bei der letzten Hochzeit hatte ich mir einfach noch 1, 2 Gigabyte bei Freunden ausgeliehen. So richtig überzeugen will mich das alles nicht. Eine echte Notwendigkeit kann ich nicht erkennen. Ok, auch nicht.

Ein neues Handy kommt auch nicht in Frage. Das Letzte vom Sommer für 0 Euro tut seinen Dienst, und den meisten Schnickschnack habe ich noch nie genutzt. Eigentlich brauche ich es eher auf dem stillen Örtchen zum spielen als zum telefonieren. Aber das ist wohl ein typisches modernes Männerverhalten, daß jetzt sogar schon Eingang in die moderne Psychologie gefunden hat. Wir sollten darüber mal eine Gesprächsgruppe aufmachen. Nein, ein neues Handy kommt nicht in Frage, dann würden die „Sitzungen“ nur noch länger dauern.

So langsam verzweifele ich. Jetzt könnt ich mal und kann mich nicht entscheiden.

Wenn wenigstens mein Psion mitspielen würde.

Klar ist er nach wie vor der wichtigste Computer in meinem Leben. Und ja, ohne ihn wäre ich völlig kopflos.

Aber das Schlimmste an diesem teuflischen Gerät ist nicht etwa, daß er nach und nach einen Teil meines Gehirns aufgesaugt hat, nein er zeigt mir auch immer wieder meine Grenzen auf, wenn ich ihn gerade mal nicht dabei habe. Wenn er wenigstens das tun würde, was alle elektronischen Geräte nach ein, zwei Jahren tun: Kaputt gehen. Ein Gerät, daß jeden Tag sechs bis acht Stunden im Einsatz ist, muß doch irgendwann defekt sein. Ok, das Flachbandkabel hat mich auch einmal erwischt, aber ansonsten sieht das gute Stück aus, wie vier Wochen nach dem Kauf. Der Psion läuft und läuft und läuft.

Längst habe ich es aufgegeben, mich nach einem neuen Spielzeug umzuschauen. Schon lange bin ich nicht mehr informiert, welcher Hersteller gerade welchen neuen Typ auf den Markt geworfen hat. Mich quält nicht mal die Frage: Muß es ein Gerät mit oder ohne Tastatur sein.

So lange der Psion ohne Beanstandung funktioniert, mein Leben und mein Geschäft organisiert, kann ich nicht von ihm lassen.

Da kommt mein Freund Joachim mit seinem XY-Gerät. Ein tolles Teil: Mit MP3 und Farb-Display, sogar Videos kann er jetzt schauen, wenn die Speicherkarte groß genug ist. (Kopfwehtabletten wegen dem kleinen Display bräuchte ich dann aber für einen Spielfilm schon dazu).

Tausende Programme gibt es im Internet herunterzuladen. Die, die gut sind, kosten jedoch gleich richtig Geld. Und es kommen täglich neue Programme hinzu.

Ja, an die Zeiten kann ich mich auch am Psion erinnern. Nächte habe ich damals damit verbracht, Programme zu testen, um die herauszufinden, die etwas taugen und die ich wirklich brauche. Und wenn ich ehrlich bin: geblieben sind nur eine Handvoll. Der Rest war Spielerei oder wurde nach einiger Zeit nicht mehr gepflegt. Herausgeschmissenes Geld.

Joachim gibt mir eine Internetseite und ich staune über all die bunten Sachen. Dutzende ähnlicher Programme. Hunderte Viewer, die es ermöglichen, die Daten des PCs am PDA zu betrachten.

Nach einiger Zeit fällt mir auf, daß die wenigsten Programme dafür bestimmt sind, dauerhaft mit dem Gerät zu arbeiten. Meist soll / kann man kleinere Eingaben machen, aber echte Arbeit erfolgt am PC. Klar kann man auch ein Buch damit vollschreiben, aber richtig Spaß macht das sicher nicht. Nach einer guten Stunde des Surfens habe ich genug. Meine gesamte Freizeit könnte ich damit verbringen, die tollen Programme und Tools auszuprobieren. Aber ich erkenne schnell: Ich habe keine Notwendigkeit dazu. Alles, was ich derzeit zum Arbeiten brauche, kann ich mit dem Psion machen. Ich habe genau die Programme, die für meine speziellen Tätigkeiten wichtig sind längst gefunden. Da gehe ich lieber in der gesparten Zeit mit Freunden einen Wein trinken. Die netten Gimmicks, wie MP3 und Foto werden besser durch dafür spezialisierte Geräte ersetzt. Und die habe ich ja auch schon.

Bleibt mein Problem: Ich darf und irgendwie kann ich nicht...

Aber eines beruhigt mich: Ich bin nicht allein!

...und im Zweifel, habe ich ja nächstes Jahr auch wieder Geburtstag...

Jürgen Rode
p|s|i|o|n|w|e|l|t

 


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